VON WOLFGANG KIRFEL • 06.09.2021


Auf der Internetseite www.eifelkrimi.de geht es um Kriminalfälle in der Realität sowie in Filmen und Büchern

Schauplätze fiktiver und realer Verbrechen


Kall. Von Mord und Totschlag bis zu Attentaten und Brandstiftungen: Wenn es um spektakuläre Kriminalfälle geht, hat die Eifel einiges zu bieten. Die Verbrechen beschäftigen nicht nur Polizei und Gerichte, sondern liefern auch den Stoff für Filme, Fernsehserien und Bücher. Manfred Kanzler aus Kall hat jetzt Informationen über reale und fiktive Verbrechen in der Eifel zusammengetragen und auf seiner Internetseite www.eifelkrimi.de veröffentlicht. Garniert hat er die Berichte mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen, beispielsweise zu Hexenverfolgungen, sowie Hinweisen zu Veranstaltungen und touristischen Angeboten an und in der Nähe der Tatorte.

„Am Anfang waren die Abstände noch etwas größer, doch im vergangenen Jahrzehnt ging es Schlag auf Schlag.“

Manfred Kanzler
zur Häufung von Verbrechen

Kanzler, Geschäftsführer des Kölner Messe Treff Verlags, beschäftigt sich mit spektakulären Kriminalfällen wie dem Fall Lolita oder dem Amoklauf am Euskirchener Amtsgericht und mit Fernsehserien, Spielfilmen und Büchern, in deren Geschichten es um Verbrechen in der Eifel geht. „Dabei muss ich gleich ein Geständnis machen. Ich bin im Gegensatz zu meiner Frau kein großer Krimi-Fan“, sagt Kanzler. Sein Interesse an der Krimilandschaft Eifel sei eher beruflicher Natur: „In den Publikationen, die mein kleiner Fachzeitschriftenverlag herausgibt, werden auch Filmproduktionen, Fernsehserien und digitale Medien vorgestellt.“ Da er zudem seit mehr als 35 Jahren mit seiner Familie auf dem Wackerberg bei Kall lebe, habe er mit großem Interesse verfolgt, wie das Thema Eifelkrimi in der Region immer bedeutender geworden sei. „Es gibt mit Nordeifel Mordeifel, Tatort Eifel und den erstmals stattfindenden Krimitagen Hillesheim mittlerweile gleich drei Festivals“, sagt Kanzler. Darüber hinaus gebe es Krimi-Wanderwege, -Dinner und -Wochenenden und -Shows.

An seine Informationen kam Kanzler vor allem durch Recherchen im Internet. Zudem hat er Fernsehsendungen und Zeitungsartikel berücksichtigt und auch auf lokale Quellen wie beispielsweise die Chronik „Kall im Spiegel der Geschichte“ von Hubert Büth zurückgegriffen. Mit zum Teil humorvollen und etwas saloppen Formulierungen möchte Kanzler die Leser trotz der bedrückenden Themen gut unterhalten. So betitelt er zum Beispiel einen Fall aus dem Januar 2019, bei dem ein 40-jähriger Mann nach einem Verbrechen schwer verletzt an der Urfttalsperre gefunden wurde, in Anlehnung an eine bekannte Krimiserie „Mordversuch mit Aussicht“.

Kanzler ist aufgefallen, dass der Anteil von Filmen und Büchern, in denen das Thema „Verbrechen in der Eifel“ humoristisch behandelt wird, überproportional hoch ist: „Die Eifel und die Menschen gelten oft als rückständig.“

Kriminalfälle

Kanzlers Übersicht über historische Kriminalfälle in der Eifel beginnt 1593 mit den Hexen von Schmidtheim und dem Überfall auf die Düttlinger Zollstelle im Jahr 1800 bis hin zu den Automatensprengern, die 2021 in der Nähe von Marmagen festgenommen wurden, und der Messerattacke in Wallenthal.

Absoluter Spitzenreiter in der Region ist nach Kanzlers Recherchen die Gemeinde Kall. Vor allem in Kall und Sötenich, dem „Chicago der Eifel“, sei eine Häufung von Verbrechen festzustellen.

Ein spektakuläres Selbstmordattentat ereignete sich in der Nacht vom 30. auf den 31. August 1948 in der Trierer Straße 13 in Kall. Unter der Überschrift „Die Schwestern und der Attentäter“ erzählt Kanzler von Katharina Esser und ihrer Nichte Gertrud, die in dem Haus eine einfache Herberge betrieben. Johannes Möhrle aus Baiersbronn im Nordschwarzwald, der nach dem Krieg in der Eifel hängengeblieben war, unterstützte die beiden Frauen als „Hausmeister“. Gertrud hatte zur Kirmes ihre Schwester Martha aus Willich am Niederrhein eingeladen. „Johannes verguckte sich in Martha und forderte sie auf der Kirmes mehrfach zum Tanz. Jedes Mal erhielt er einen Korb – das Angebot an strammen Eifler Jungs hatte besseres zu bieten“, schreibt Kanzler.
Möhrle habe diese Kränkung nicht ertragen können und sei vorzeitig nach Hause gegangen, nicht ohne sich vorher bei einem befreundeten Kaller Sprengmeister mit Sprengstoff einzudecken. Als Gertrud und ihre Schwester eingeschlafen waren, sprengte Möhrle die Herberge gegen 4.15 Uhr in die Luft. Alle Hausbewohner waren sofort tot und die Herberge total zerstört.

Für viel Diskussionsstoff im Ort sorgte auch der Mord an der 68 Jahre alten Christine Lang, die am 26. April 1976 in ihrem Tabakladen an der Gemünder Straße niedergeschlagen und zu Tode stranguliert wurde. Der Täter hatte es auf die Einnahmen abgesehen. Noch am Abend des Mordes wurde um 19.50 Uhr ein Mann aus Keldenich festgenommen und später vom Schwurgericht der 1. Strafkammer am Landgericht Aachen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Mord im Tabakladen erregte 1976 die Gemüter in Kall. Er ist einer von vielen Verbrechen, die auf der Internetseite nachzulesen sind.

Mit dem Eifel-Sniper aus Frohnrath, der es mit einer Schusswaffe auf die Ladung von Lkw abgesehen hatte, wird ein weiterer spektakulärer Fall behandelt, der bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Ähnlich war es bei dem Eigentümer eines Autohauses in Sötenich, der einen Freund mit mehreren Schüssen aus seinem Jagdgewehr tötete und die Leiche in einem Anhänger an verschiedenen Stellen zwischenlagerte, ehe er sie auf einer Bauschuttdeponie bei Erftstadt „entsorgte“. Dabei hatten gleich mehrere Dorfbewohner geholfen, das Verbrechen zu vertuschen.

Fehlen darf da natürlich auch nicht der Amoklauf am Euskirchener Amtsgericht im Jahr 1994. Dort musste sich ein Mann dafür verantworten, dass er seine Freundin halb totgeschlagen hat. Er war mit Lackmantel, Lacklederstiefel, Stirnband, Sonnenbrille und einer Knoblauchkette um den Hals vor Gericht erschienen. Als sein Einspruch gegen einen Strafbefehl abgewiesen wird, schießt er wild um sich, bevor er sich selbst in die Luft sprengt. Sieben Menschen sterben, weitere werden schwer verletzt.

Filme und Fernsehserien

„Bei meinen Recherchen bin ich auf weit über 100 Filme und Serien gestoßen, die seit Mitte der 1930er-Jahre in der Eifel ganz oder teilweise gedreht wurden“, berichtet Kanzler. Dabei ging es aber nicht nur um Verbrechen. Die mit Abstand am häufigsten nachgefragte Film-Location sei Monschau, wo auch internationale Produzenten und Streamingdienste wie Netflix oder TV Now gerne drehen, gefolgt von Stolberg bei Aachen, Bad Münstereifel, Hellenthal sowie der Gegend rund um Mechernich. In Euskirchen drehte RTL 1994 den „Tag der Abrechnung“ mit Christoph Waltz in der Hauptrolle, das auf dem im gleichen Jahr im Amtsgericht Euskirchen verübten Selbstmordattentat basiert. Vogelsang war unter anderem Drehort für einen Film über das Berliner Hotel Adlon.

Groß herausgekommen sei Monschau erst nach dem WDR-TV-Zweiteiler „Die Stadt im Tal“ aus dem Jahr 1975. Monschau diente dabei als Kulisse für den fiktiven Ort Lugtal, in dem korrupte Kommunalpolitiker, auf rechts drehende Linke und skrupellose Unternehmer hausen. „Schon am Tag nach der Sendung des ersten Film-Kapitels registrierte das Fremdenverkehrsamt eine enorme Nachfrage nach Monschau-Prospekten, Hotel- und Pensionsverzeichnissen. Die Zahl der am Urlaubsort Monschau interessierten Bundesbürger stieg um das Fünffache“, schreibt Kanzler. Viele bekannte deutsche Schauspieler wie Mario Adorf, Dietmar Bär, Otto Walkes, Uwe Ochsenknecht, Katja Flint, Götz George und Heiner Lauterbach drehten schon in der Eifel. Caroline Peters ermittelt als Sophie Haas in „Mord mit Aussicht“ im fiktiven Hengasch, Uwe Ochsenknecht als Robert Killmer in „Der Bulle und das Landei“ im realen Monreal.

„Nur wenige wissen aber, dass auch eine Reihe von Hollywood-Stars wie Harrison Ford, Sean Connery, Roger Moore, Anthony Hopkins oder Ben Kingsley hier gedreht haben.“ Die Eifel habe beispielsweise mit ihren Burgen und Naturschönheiten auch viele interessante Motive bieten.

Eifelkrimis

Seit Jacques Berndorf 1989 den ersten Eifelkrimi veröffentlicht hat, sind rund 250 weitere Bücher dieses Genres veröffentlicht worden“, sagt Kanzler. Bislang sei aber nach seinen Recherchen mit „Eifel-Schnee“ von Berndorf erst ein Werk verfilmt worden. „Dabei werden jedes Jahr auch Drehbuchautoren zu den Krimifestivals eingeladen.“ Da die Eifel auch eine überaus interessante und kriegerische Geschichte habe, sei sie eine gute Vorlage für historische Romane wie „Die Eifelgräfin“ oder „Die Hexe und der Leichendieb“.

Kanzler nutzt die Krimifestivals, um die Autoren kennenzulernen. So war er jetzt auch im Margaretenhof bei Keldenich zu Gast, wo die Autoren Sabine Trinkaus, Judith Merchant und Guido M. Breuer im Rahmen des Festivals Nordeifel Mordeifel Kostproben aus ihren Büchern „Mutter Seelen Allein“, „Atme“ und der „Maiskolbenmörder“ zum Besten gaben.

Cilia Gentz war mit dem Margaretenhof als Veranstaltungsort kurzfristig eingesprungen, weil die Mastertmühle in Kall-Anstois wegen Flutschäden nicht zur Verfügung stand. Die Premiere darf als gelungen bezeichnet werden, die Veranstaltung war überaus gut besucht.